Maschinenstricken · Stricken

Die Strickmaschine

Ihr Lieben, endlich schaffe ich es mal den lang angekündigten Post zur Strickmaschine zu schreiben. (Achtung: was lange aufgeschoben wird, wird laang) 


 Inzwischen ist aber auch schon wieder einiges passiert, was mich vom schreiben abgehalten hat. Der Trend geht zur Zweitmaschine und die musste erstmal ordentlich ausprobiert werden. 

 Ich fang mal vorne an. Man könnte sagen, ich bin der Strickjäckchen Typ. Ich trage sie quasi ganzjährig. Ohne Jäckchen fühlt sich ein Outfit für mich irgendwie unvollständig an. Klammern wir jetzt mal Hochsommer, 30 Grad und Strand aus. 
 Immer schielte ich, leicht neidisch, zu all denjenigen die mal eben und womöglich nebenbei so ein tolles Jäckchen selbst stricken. Ich für meinen Teil kann weder nebenbei noch besonders schnell oder schön stricken, was die Fertigstellung des Projekts „Jäckchen“ in unbestimmte weit entfernte Zukunft wandern lässt. Aber ich stricke schon gerne. Ich empfinde das, genauso wie nähen, als äußerst meditativ. Also kommen fürs „Handstricken“ nur kleiner Projekte wie zB eine Mütze in Frage. Momentan stricke ich seit Wochen an einem Shetland-Triangle Tuch was mir großen Spaß macht, aber so richtig vorran gehts nicht. Wahrscheinlich werde ich zum Ende des nächsten Winters fertig sein und im übernächsten Winter stolz mein Tuch tragen können. Nun gut, das ist nicht soo schlimm. Zumal ein Tuch nicht so dringenst in meinem Kleiderschrank fehlt. Schicke Jäckchen nach eigenen Vorlieben aber schon. 
 Was liegt also näher sich mit dem Thema Strickmaschine zu beschäftigen um Strickungenauigkeiten und Geschwindigkeit ausgleichen zu können. Nun gibt es nicht soviel Literatur zu dem Thema (in letzter Zeit nimmt es netterweise etwas zu) und ich habe mich beim Kauf der „Erstmaschine“ etwas vertan. Ich wusste zu dem Zeitpunkt noch nicht was ich eigentlich genau haben wollte. Eine Strickmaschine klar, aber da gibt es ja wesentliche Unterschiede. Ich verglich also Macharten, Preise und Verwendungen und entschied mich für einen Grobstricker, 9mm Nadelabstand, 110 Nadeln. Nach meinem damaligen Verständnis machte das für mich am meisten Sinn und die Bandbreite des zu verstrickenden Garns erschien mir ausreichend. Auch vom Preis her erschien mir das sinnvoller als ein ausgefuchstes Modell mit Lochkarten oder Computersteuerung. 
 Meine Grobstrickmaschine ist eine komplett manuelle Strickmaschine, alle Muster (man kann eigentlich fast alle Muster stricken) müssen von Hand eingehängt, umgehängt oder sonst wie produziert werden. Ich habe dadurch sehr viel gelernt und mich umfassend ins Thema einarbeiten können. Gar nicht schlecht für den Anfang. 
 Nun kaufte ich dieses und jenes schöne Garn und stellte fest, dass meine Maschine das zwar verstricken kann, aber nur glatt rechts. Bei Mustervarianten, besonders bei Lochmustern (auf die ich ganz besonders stehe) wurde das Ergebnis nur mäßig zufriedenstellend. Ich weiß der eigene Anspruch ist einem manchmal schwer im Weg, aber auch eine Strickmaschine strickt nicht von alleine und die investierte Zeit wäre mir zu schade, wenn ich es am Ende nicht anziehen würde. Es tauchten in letzter Zeit einige Maschinen in der Blogosphäre auf und ich überlegte ob mich eine andere StriMa nicht am Ende doch weiter bringen würde. Mehr Nadeln sollte sie haben und wenn schon dann eine deutliche Verbesserung, also eine Lochkartensteuerung. 
Ich beschloss einfach mal im großen Auktionshaus zu schauen, nur mal schauen was es so gibt. Und da war sie: eine Brother KH891, 200 Nadeln, 4,5 mm Nadelabstand, Lochkartensteuerung – abzugeben wegen Computer-StriMA Neukauf in ein liebevolles neues Zuhause, zu einem Schnäppchenpreis. Hier, ich… ich will ihr ein neues liebevolles Zuhause geben! Nach Rücksprache mit dem besten Mann der Welt war sie 1 Stunde später meins.. 😉 

 Warum habe ich eigentlich nie was gezeigt, wenn ich doch schon eine Weile mit der StriMa beschäftig bin. Ganz einfach – weil noch NICHTS fertig ist. Ich leide unter akutem Näh -und Strick-Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom. (Gibts da evtl. ne Selbsthilfegruppe?) Heißt: ich habe eine fixe Idee und kann nicht anders als sie gleich umsetzen. Dabei passiert es unweigerlich, dass bereits begonnene Projekte auf die Wartebank rutschen müssen und es häufig dazu kommt, dass viele begonnene Projekte darauf warten endlich beendet zu werden. So auch bei den Projekten mit dem Grobstricker. Ich arbeite gern nach dem Try-and-Error-Prinzip. Um Muster auszuprobieren gab ich mich nicht damit zufrieden ein gerades Stück nur wegen dem Muster zu stricken. Freizeit ist knapp und damit kann man ja am Ende nichts anfangen. Also fing ich mehrere Jäckchen an und probierte immer an einem realen Teil einer Strickjacke. Ich habe jetzt also mehrere verschiedene Teile mit verschiedenen Mustern aber keine zusammenhängende Strickjacke.



 Bei meiner „neuen“ StriMa habe ich mich dazu hinreißen lassen und doch erstmal an Probestücke ausprobiert und dann erst ein Jäckchen begonnen, was mittlerweile bis auf das Halsbündchen komplett (!) fertig gestellt ist. Sogar schon zusammengenäht. 


 Wer es bis hierher geschafft hat: Glückwunsch zum Durchhaltevermögen! 

 Jetzt gehts um die Technik und es gibt mehr Fotos. Das stricken mit der StriMa erfordert zuerst etwas Vorbereitung. 

Die Wollknäule müssen mit einem Wollwickler umgewickelt werden, damit sie frei und gleichmäßig abrollen. Wenn durch nicht korrektes abrollen des Garns zuviel Zug auf den Strickschlitten kommt, kann man sich damit die Nadeln kaputt machen oder das Garn reißt. Da sind gewaltige Kräfte am Werk. Also erstmal umspulen. Das dauert auch seine Zeit. Immerhin kann man dabei Fernsehen, wenn man sich günstig aufbaut. 


Als nächstes „übersetze“ ich mir die Strickanleitung Reihe für Reihe. Das macht zwar etwas Vorarbeit, hat aber den Vorteil, dass man egal an welchem Punkt man grade ist Pausieren kann und auch Tage später wieder den Einstieg findet. Das ist für mich sehr sinnvoll, da ich nicht immer die Zeit habe ein Teil komplett am Stück fertig zu stricken oder eben auch mal Familienbedingt unterbrechen muss. Ich habe mir dazu eine Vorlagentabelle erstellt in die ich dann die Anleitung reinschreibe.

 # 1. Spalte Strickschlitten L oder R (ist fürs stricken selber nicht so wichtig, man sieht das ja, aber fürs Anleitungsschreiben sinnvoll, zB an Stellen wie: enden sie mit einer Rückreihe) 

 # 2. Spalte Reihenzahl 

 # 3. Spalte Strickanweisung zB Abnahmen, Zunahmen, Muster usw. hierbei habe ich für mich die Taktik entschieden die Anweisungen in die tatsächliche Reihe zu schreiben in der sie vorkommen, heißt aber ich muss beim Blick auf den Reihenzähler immer beachten, dass ich die Anweisungen befolge, wenn eine Reihe weniger gezählt wurde, also VOR der Reihe die in der Anleitung steht. Man kann natürlich auch immer NACH der gezählten Reihe arbeiten, aber das muss man beim schreiben der Anleitung beachten. Meine Variante funktioniert für mich gut, da ich beim schreiben der Anleitung keinen Knoten im Hirn verursachen muss.. Das kann bei euch anders sein. 

 # 4. Spalte Maschenzahl: wieviele Maschen befinden sich NACH stricken dieser Reihe auf der Maschine 

 # 5. Spalte Bemerkungen: hier schreibe ich zB rein, wenn ein Knäul alle ist oder andere Dinge die mir aufgefallen sind 

 Wenn das Garn gewickelt und die Anleitung geschrieben ist, kanns schon losgehen. Wie das stricken mit der einzelnen Maschine funktioniert muss man individuell der Anleitung der StriMa entnehmen. 

 Hier mal einige Stücke zum Vergleich Grobstricker und Feinstricker. Bei den Lochmustern sieht man ganz deutlich die mechanischen Grenzen. So ein Loch wird halt so groß wie der Nadelabstand egal wie fest oder locker man das Garn verstrickt. 



Das helle Getrick ist mit dem Grobstricker, das rote mit dem Feinstricker gestrickt. Merke grade, dass das auf den Fotos gar nicht so richtig rauskommt.


 Eine Lochkartensteuerung ist echt ne feine Sache, dieses Muster hat sich quasi von alleine gestrickt. 


Haupt- und Schmuckgarn eingefädelt, auf Norwegermusterstricken am Strickschlitten gestellt und gestrickt wie glatt rechts, also den Schlitten hin und her bewegt. Ab- und Zunahmen müssen natürlich von Hand gemacht werden. Verwendet habe ich die Standartlochmusterkarte Nr. 3. 

 Das Muster entsteht durch die verschiedenen Nadelpositionen. Wenn die Nadeln in B-Stellung (also normale Strickstellung steht) wird der Hauptfaden abgestrickt. Sind die Nadeln in D-Position gebracht, also etwas raus aber nicht ganz nach vorne (das wäre E-Stellung, Nadeln werden nicht abgestrickt, Haltestellung, zB bei verkürzten Reihen) wird der Schmuckfaden abgestrickt. 


 Die Nadeln werden über die Löcher in der Karte in Position gebracht. 
 Kein Loch = Nadeln bleibt in B-Stellung, Loch = Nadeln kommen in D-Stellung. 


Nadeln in A-Stellung stricken nicht mit.


 Hier sieht man die Einfädelung. Der hintere Faden für die B-Stellung, der vordere Faden für die D-Stellung. 
 Die beiden Varianten sind ein und das selbe Muster. Nur die „Länge“ habe ich geändert. Mir war das kleine Muster zu flimmereffktisch. 


Die Länge lässt sich durch einen Schalter regulieren. Bei der langen Varianten wird eine Reihe der Lochmusterkarte immer zweimal gestrickt. 



 Bei Lochmustern funktioniert das ähnlich.


 Der Lochmusterschlitten wählt in Richtung links nach rechts die Nadeln vor, wieder Loch=D-Stellung, und hängt in Richtung rechts nach links die Maschen der D-Nadeln auf die benachbarten B-Nadeln um. Die freien Nadeln werden wieder in B-Stellung gebracht. Dadurch entsteht ein Umschlag und beim Abstricken dann ein Loch. Lochmuster werden immer in bestimmter Abfolge von Lochmusterschlitten-Reihen (so oft wird der Lochmusterschlitten hin und her bewegt) und glatt rechts gestrickten Reihen mit dem Strickschlitten gestrickt. D.h. der Lochmusterschlitten setzt nur die Maschen um, diese „Reihen“ werden auch nicht gezählt (der Schlitten fährt unter dem Reihenzähler durch), erst der Strickschlitten in dem auch das Garn eingefädelt ist strickt dann die Reihen. 

Es gibt spezielle Lochmusterkarten für Lochmuster, diese haben dann an der Seite Pfeile anhand deren man ablesen kann welchen Schlitten man in der Reihe bewegen muss. 


 # Pfeil nach links oder rechts = Lochmusterschlitten, wird dieser nicht bewegt, „parkt“ er auf der linken Anschiebeschiene. 

 # gebogener Pfeil = Strickschlitten einmal von rechts nach links und wieder zurück, ansonsten „parkt“ er auf der rechten Anschiebeschiene. 


 Das soll erstmal ein kleiner Überblick gewesen sein. Ich werde immer mal wieder auf genaue Techniken eingehen. 
 Wer mehr über das stricken mit der Maschine lernen will und das ganze in Aktion sehen will, kann sich hier im Youtube-Kanal von Roberta Kelley umsehen. Sie hat sehr schöne Videos gemacht und erklärt und zeigt ganz zauberhaft den Umgang und verschiedene Techniken. Da habe ich sehr viel gelernt. Bei mir läuft der Lernprozess über Videos schauen und ausprobieren. 

 Nächstes Mal zeige ich wie man eigene Lochkarten herstellt. (Memo an mich: diesen Post nicht wieder so lange aufschieben..)

Habt einen schönen Sonntag!

PS: Entschuldigt die Fotoqualität. Nachdem mir meine Spiegelreflex bei einem Einbruch gestohlen wurde habe ich leider immer noch keine neue und muss mir mit einfacheren Methoden behelfen. Das sieht nicht immer sehr schön aus, trotzdem wollte ich auch Fotos anfügen..
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6 Kommentare zu „Die Strickmaschine

  1. So was will ich auch! Danke für die Einblicke!
    Ich bin ebenso Strickjackensüchtig und stricke leider viel viel zu langsam und ohne Ausdauer.
    Aber so ein Maschinchen sieht sehr spannend aus.
    Lieber Gruß
    Elke

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  2. Wie groß ist denn so ein Ding eigentlich? Ich hab zwar schonmal auf ebay geschaut, aber so richtig weiß ich gar nicht, wonach ich suche. Ein Feinstricker, soviel ist klar, aber mir scheint, dass es da schon sehr unterschiedlich abgefahrene Modelle zu haben sind. Aber wenn ich diese vielen tollen Strickjacken sehe, die gerade im Rahmen des Frühlingsjäckchen Knit Alongs entstehen, dann will ich sowas auch haben. Ich stricke weder schön noch schnell und verliere bei allem, was über Kindergröße 68 hinausgeht irgendwann die Geduld… Aber schöne Strickjacken mit Lochmuster sind leider auch nicht so einfach zu kaufen.
    Einzig die Vorstellung, noch mehr Kram in die Wohnung zu holen, schreckt mich gerade noch ab. Wie viel Platz braucht so ein Teil, wie lange braucht sie, um eine Jacke zu stricken und wieviel Übung braucht man, um so ein Ding bedienen zu können? Muss man die ganze Zeit dabei sitzen, weil man jede Reihe neu einfädeln muss? Fragen über Fragen… (ich sollte mir wirklich mal die Zeit nehmen, das anständig zu recherchieren…)

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  3. Das du dich da so eingearbeitet hast – sehr beeindruckend. Ich glaube mich hätte das total abgeschreckt! Aber das Jacken Ergebnis kann sich wirklich sehen lassen. Ich bin gespannt auf noch mehr Modelle von diesem Apparat 🙂

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