Maschinenstricken · Stricken

Nachgereicht: Grundlagenpost zur Strickmaschine

Nach meinem letzten Post zum Thema Strickmaschine, der ein kleinen allgemeinen Überblick geben sollte, ist mir aufgegangen, dass ich wohl doch etwas viel „Grundwissen“ vorausgesetzt habe.

Nun also hier nachgereicht die wirklichen Grundlagen.

Wieviel Platz braucht so eine Maschine und wo baut man sie auf?


Die meisten Einbett-Maschinen sind zw. 1 und 1,1 m breit und ca 30 cm tief. (Mit den Doppelbett-Maschinen kenne ich mich nicht so aus, die sollten aber nicht wesentlich breiter sein, da es zu den meisten Einbett-Maschinen auch Doppelbettergänzungen gibt)
Eine StriMa kann auf jeden Tisch mit entsprechender Breite bzw auf einer Platte montiert werden. Es gibt extra StriMa-Tische, die sind auch nur so tief wie die Maschine und entsprechend breit. Allerdings halte ich das nicht für eine lohnenswerte Anschaffung. Nur weil da das Label StriMa dran steht, sind die wesentlich teuer als sie sein müssten. Da hat man sich wirklich schnell und kostengünstiger selber einen gebaut. Tischbeine gibt’s günstig beim Möbelschweden und in jedem Baumarkt sind fertig zugeschnittene Bretter entsprechender Maße zu haben. Ich für meinen Teil habe die StriMa immer auf meinem Zuschneidetisch montiert. Die Platte ist eine Küchenarbeitsplatte auf Maß vom Möbelschweden, Stärke 3,8 cm, das passt grade noch so mit den Schraubzwingen. Da die StriMa ein gewisses Eigengewicht hat würde ich empfehlen, dass die Platte zum montieren min eine Stärke von 2 cm haben sollte.
Die richtige Höhe: ich habe für mich festgestellt, dass es besser ist die Maschine auf einem Tisch zu montieren, der höher ist als ein normaler Ess- oder Schreibtisch (ca 70 cm) da man sonst der Unhängearbeiten wegen immer so nach unten arbeitet und sich den Rücken krumm macht. Ich habe die Nadeln lieber vor mir in „Sichthöhe“. Bevor ich den Zuschneidetisch (94cm höhe) hatte, habe ich immer auf einem niedrigeren Hocker davor gesessen um den gleichen Effekt zu erzielen. Jetzt auf dem normalen Stuhl  mit erhöhter Arbeitshöhe ist es aber viel bequemer.

Was kann man nebenbei machen? 


NICHTS! 

Strickt die Maschine von alleine?


Man strickt mit Hilfe der Maschine, nicht die Maschine strickt! 
Und: die Maschine macht nicht unwesentliche Geräusche. Fernsehen ist eh unmöglich weil man ja gucken muss was man macht und auch Hörbücher halte ich der Lautstärke wegen für wenig sinnvoll. Ich hab immer Musik an, da kommt’s ja nicht soooo sehr auf ständige Verständlichkeit bzw Sprachverständlichkeit an.
Auch Abends wenn die Kinder schlafen bzw der Nachbarn wegen, würde ich eher davon abraten. Es kommt aber auf die einzelne Maschine an, wie laut diese im einzelnen ist. Bei meiner habe ich festgestellt, dass der Lochmusterschlitten auch wesentlich lauter ist, als der Strickschlitten.

Wie funktinoniert das, wie strickt die Maschine?


Die Nadeln haben vorn eine Öse mit einem beweglichen Schnapper, die sogenannte „Nadelzunge“. In dieser Öse hängt jeweils eine Masche. Es sind also immer soviele Nadeln in Betrieb, wie Maschen in der Reihe zu stricken sind. 
Gestrickt wird eine Reihe in dem man den Strickschlitten von links nach rechts oder umgekehrt über die Nadeln schiebt. Wenn der Strickschlitten über die Nadeln fährt, werden diese erst herausgezogen und dann wieder in die Ausgangsposition zurückgeschoben. Die darauf befindliche Masche wird dadurch nach hinten geschoben, was ein Öffnen (nach hinten klappen) der Nadelzunge bewirkt. Die Masche liegt dann hinter der Nadelzunge. In die geöffnete Öse wird der Faden gelegt. Beim zurückschieben der Nadel wird dann die Masche wieder nach vorn geschoben, sie gleitet unter die Nadelzunge, die dadurch die Öse wieder schließt. In der geschlossenen Öse liegt ja der Faden für die neue Masche, die alte Masche gleitet über die geschlossene Öse und „fällt“ nach unten. In der Öse hat sich die neue Masche gebildet. Nichts verstanden? 
Hier in Bildern:




Wahrscheinlich wirds auf den Bidern nicht so deutlich, ich hab euch auch ein Video gemacht:



Wie lange dauert ein Strickstück?


Das ist unterschiedlich. Ich würde mal sagen, auf die kleinste mögliche Einheit runtergebrochen, eine Reihe glatt rechts gestrickt dauert ca. 2-4 sek. Je nachdem wie schnell man den Schlitten bewegt und wie breit (wieviele Maschen) das Strickstück ist. 
Dazu kommen dann noch die Umhängearbeiten, wenn zu- oder abgenommen wird, oder Farbwechsel, oder Lochmusterschlittenreihen, oder Bündchenstricken oder oder oder.
Ich habe bisher nicht so richtig die Zeit „gestoppt“, kann das aber bei meinen Projekten im Auge behalten und als Info jeweils mit dazu schreiben. 
Grobe Beobachtungen: ein Ärmel z.B in glatt rechts dauert ca. 20 min. Da ist ja auch nicht viel zu machen und viele Reihen werden „am Stück“ gestrickt, ohne zu- oder abnehmen. 
Genauso wie beim Handstricken muss man sich schon Zeit dafür nehmen. Es ist aber nicht immer die Strickmaschine schneller. Sind zB viele umhängearbeiten pro Reihe notwendig und müssen diese alle von Hand gemacht werden, vermute ich wäre eine geübte Handstrickerin mit zusammenstricken und Umschlägen schneller durch die Reihe. 
Oder beim Perlmuster zB, das ist zwar auch auf der StriMa möglich, aber dauert richtig Zeit. 
Wir erinnern uns Perlmuster heißt in der HinR eine Masche rechts, eine Masche links und in der RückR links auf links und rechts auf rechts. Die StriMa kann aber erstmal nur rechts in der HinR und links in der RückR. Will man ein Perlmuster erreichen muss man also immer jede zweite Masche in eine linke umhäkeln. ZB alle geraden Maschen vor der HinR und alle ungerade vor der RückR. 



Rechte Maschen in linke Maschen umhäkeln, wie geht das?


Dafür gibt es die Sogenannte Arbeitszungennadel. Das ist eine StriMa-Nadel in Werkzeugform mit Griff. Also vorne die Öse mit der Nadelzunge. Das Prinzip der Maschenbildung ist wieder das selbe. 
Man sticht unten in die letzte Masche auf der Maschine, dann schiebt man die Nadeln erst nach vorn und dann wieder zurück und lässt die Masche von der Nadel rutschen. Dann erhält man 2 Querfäden. Der erste liegt bereits auf dem Werkzeug und muss hinter die Nadelzunge rutschen, den zweiten nimmt man in die Öse und zieht den Faden nach oben. Eine linke Masche ist entstanden (zu sehen ist eine Rechte, da wir ja immer die Rückseite sehen), diese wird einfach in die freie Nadel eingehängt – fertig. Die einzelne Masche geht zwar recht schnell, aber in der Summe dauert es ganz schön lange und ist eine recht stupide Arbeit, die schnell langweilt. In diesem Fall würde ich sagen, liegt der zeitliche Vorteil eindeutig beim Handstricken. In diesem Fall hilft auch kein Doppelbett, da ja pro Reihe trotzdem Umgehängt werden müsste. Korrigiert mich, wenn ich da falsch liege.

 Maschen umhängen, wie geht das?


Auch hierfür gibt es ein praktisches Werkzeug. Die sogenannte Deckernadel. Das ist ein Werkzeug mit dem man eine oder mehrere Maschen von der Maschine nehmen kann und wieder in die StriMa einhängen kann. Es gibt die Ausführungen 1×2, 1×3 und 2×3. Bei 1×2 zB. befindet sich eine Öse auf der einen Seite und 2 auf der anderen Seite. Ich benutze am meisten die 1×2 Deckernadel, 1 oder 2 Maschen kommen am häufigsten vor und dann muss man nur ein Werkzeug in der Hand haben und entsprechend umdrehen.
Das Prinzip an die Maschen zu kommen ist wie immer gleich. Man hängt die Öse der Deckernadel in die Nadelöse, zieht die Nadel heraus, die Masche rutscht nach hinten, öffnet die Nadelzunge und so weiter, ihr kenn das ja inzwischen.. 😉 Beim über die geschlossene Öse rutschen fällt die Masche aber nicht herunter sondern landet auf der Deckernadel und kann damit heruntergenommen werden. Die Deckenadel wird nun wieder in die Nadelöse der Nadel eingehängt auf die die Masche soll, Masche in die Öse gleiten lassen und Deckelnadel wegnehmen. Hört sich vielleicht kompliziert an, ist aber ganz einfach. 
Ich hab euch noch ein Video gemacht. Ich hoffe man erkennt es.



Ich hoffe, dass war jetzt alles an Grundlagen und ihr habt einen schönen Überblick.
Beim nächsten Mal zeige ich dann aber wirklich, wie man selber Lochkarten herstellt.

Schönen Sonntag!
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3 Kommentare zu „Nachgereicht: Grundlagenpost zur Strickmaschine

  1. Vielen Dank für diesen tollen Beitrag! Ich habe eine alte Strickmaschine im Keller stehen, mich aber bisher noch nicht rangetraut, vor allem auch, weil ich zu wenig darüber weiß. Deine grundlegenden Erklärungen machen für mich vieles schon einmal besser verständlich.

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